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Neue orale CD38-Inhibitoren steigern NAD+ mit hirnpenetrierender Wirkung

Wissenschaftler haben potente, oral bioverfügbare CD38-Inhibitoren entwickelt, die Zielstrukturen in Haut, Lunge, Leber und Gehirn ansprechen – und damit neue Forschungswege im Bereich NAD+-Langlebigkeit eröffnen.

Montag, 5. Oktober 2026 3 Aufrufe
Veröffentlicht in J Med Chem
Molecular ribbon structure of a CD38 enzyme with a glowing small molecule docked in its binding site, surrounded by a blue neural network backdrop.

Zusammenfassung

Forscher bei AbbVie und Sygnature Discovery haben eine neue Klasse niedermolekularer Inhibitoren entdeckt, die auf CD38 abzielen – ein Enzym, das NAD+ abbaut, ein Molekül, das für die zelluläre Energiegewinnung und den Alterungsprozess von zentraler Bedeutung ist. Ausgehend von einem virtuellen Ligandenscreening optimierten sie einen ersten Treffer zu zwei Schlüsselverbindungen: A-8531, einem potenten peripheren Werkzeugwirkstoff, und A-3190, einer hirnpenetrierenden Variante. Beide zeigten in Nagetieren eine starke Pharmakokinetik und wiesen in mehreren Geweben, einschließlich des Gehirns, eine messbare Zielengagement nach. Da die CD38-Aktivität mit dem Alter zunimmt und ein wesentlicher Treiber des NAD+-Rückgangs ist, stellen diese Inhibitoren wichtige Forschungswerkzeuge und potenzielle therapeutische Leitstrukturen für altersbedingte Erkrankungen dar, die Gehirn und Körper betreffen.

Detaillierte Zusammenfassung

NAD+ ist ein kritisches Coenzym, das am Energiestoffwechsel, der DNA-Reparatur und der Zellsignalübertragung beteiligt ist, und seine Spiegel nehmen mit dem Alter deutlich ab. CD38, ein zelloberflächenständiges Enzym, das NAD+ verbraucht, ist einer der Hauptverursacher dieses altersbedingten Rückgangs. Die Hemmung von CD38 hat sich daher als vielversprechende Strategie herausgeschält, um NAD+-Spiegel wiederherzustellen und potenziell bestimmte Aspekte des biologischen Alterns zu verlangsamen.

In dieser Studie verwendeten Forscher von AbbVie und Sygnature Discovery virtuelles Liganden-Screening, um ein Imidazopyridazin-Gerüst als Ausgangspunkt für die CD38-Hemmung zu identifizieren. Durch iterative struktur- und eigenschaftsbasierte Optimierung entwickelten sie die Verbindung A-8531 (Verbindung 25), einen potenten CD38-Inhibitor mit ausgezeichneter oraler Pharmakokinetik, der für Studien an peripheren Geweben geeignet ist.

Kristallstrukturanalyse und biochemische Charakterisierung zeigten, dass A-8531 durch unkompetitive Hemmung wirkt und ein kovalentes Addukt mit CD38 bildet. Diese mechanistische Erkenntnis leitete die weitere Optimierung hin zu A-3190 (Verbindung 39), einem Sulfuryl-Pyrazol-Thienopyrimidin-Analogon mit deutlich verbesserten Eigenschaften hinsichtlich der ZNS-Penetration.

In Nagetiermodellen zeigte A-3190 eine robuste Pharmakokinetik und bestätigte die Zielbindung in Haut, Lunge, Leber und Gehirn – was es besonders wertvoll für die Erforschung der Rolle von CD38 bei neurologischen und systemischen altersbedingten Erkrankungen macht. Diese gehirngängigen Eigenschaften stellen einen bemerkenswerten Fortschritt dar, da sich die bisherige Forschung zu CD38-Inhibitoren größtenteils auf periphere Gewebe konzentriert hat.

Obwohl diese Verbindungen derzeit Forschungswerkzeuge und keine klinischen Kandidaten sind, markiert ihre Entdeckung einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Weg zur pharmakologischen Adressierung der CD38-NAD+-Achse im Kontext von Alterung und Neurodegeneration. Wesentliche Einschränkungen umfassen den frühen präklinischen Charakter der Befunde sowie begrenzte Daten zur Langzeitsicherheit oder Wirksamkeit in Krankheitsmodellen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Virtual ligand screening identified an imidazopyridazine scaffold optimized into potent CD38 inhibitor A-8531 with strong oral bioavailability.
  • A-8531 acts via uncompetitive, covalent inhibition of CD38, confirmed by co-crystal structure analysis.
  • A-3190 achieved brain penetration with robust rodent pharmacokinetics and target engagement in skin, lung, liver, and brain.
  • Both compounds serve as valuable preclinical tools for studying CD38's role in NAD+ decline and aging.
  • Brain-penetrant CD38 inhibition opens research avenues for neurodegenerative and CNS-related age-related diseases.

Methodik

Die Studie nutzte virtuelles Liganden-Screening zur Identifizierung von Trefferverbindungen, gefolgt von iterativer medizinischer Chemieoptimierung, die durch Ko-Kristallstrukturen, biophysikalische Assays und biochemische Charakterisierung geleitet wurde. Nagetier-pharmakokinetische Studien und In-vivo-Zielengagement-Assays in mehreren Geweben wurden zur Bewertung der Leitverbindungen eingesetzt.

Studienlimitierungen

Bei diesen Substanzen handelt es sich um präklinische Werkzeugverbindungen, die weder in klinischen Studien am Menschen noch in Modellen chronischer Erkrankungen untersucht wurden. Der kovalente Hemmmechanismus könnte Selektivitäts- und Sicherheitsbedenken aufwerfen, die weiterer Untersuchung bedürfen. Eine Wirksamkeit bei tatsächlichen altersbedingten Krankheitsendpunkten wurde bislang nicht nachgewiesen.

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