Nutrition & DietForschungsarbeitKostenpflichtig

Fermentierte Milchprodukte zeigen keinen konsistenten Zusammenhang mit besserer Muskelfunktion bei älteren Erwachsenen

Daten von 6.790 Erwachsenen in Irland ergaben keinen konsistenten Zusammenhang zwischen dem Verzehr fermentierter Milchprodukte und besserer Kraft oder körperlicher Funktionsfähigkeit.

Freitag, 6. November 2026 1 Aufruf
Veröffentlicht in Eur J Nutr
A bowl of plain yogurt beside a handgrip dynamometer on a kitchen table, with an older adult seated nearby

Zusammenfassung

Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt werden häufig als Beitrag zu gesundem Altern angepriesen, doch in dieser Studie zeigte sich kein einheitlicher Zusammenhang mit einer besseren körperlichen Funktionsfähigkeit. Die Forschenden analysierten Ernährungsfragebögen sowie Messungen von Kraft, Gebrechlichkeit und funktionellen Einschränkungen bei 6.790 Erwachsenen aus zwei irischen Kohorten. In NICOLA verschwanden scheinbare Zusammenhänge, nachdem demografische und gesundheitliche Unterschiede berücksichtigt wurden. In TILDA hatte die Gruppe mit der höchsten Aufnahme fermentierter Milchprodukte eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine geringe Handgriffkraft, wobei sich das mit Joghurt verbundene Signal nach der Adjustierung abschwächte. Diese Ergebnisse belegen nicht, dass fermentierte Milchprodukte die Muskulatur fördern oder ihr schaden. Da Ernährung und Funktionsfähigkeit nur zu einem einzigen Zeitpunkt erfasst wurden, bleibt die Ursache-Wirkungs-Beziehung unklar. Die praktische Botschaft lautet: Fermentierte Milchprodukte sollten nicht als erwiesene Maßnahme zum Erhalt der Muskulatur betrachtet werden. Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract.

Detaillierte Zusammenfassung

Kraft und Mobilität zu erhalten, ist für gesundes Altern von zentraler Bedeutung. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt liefern Protein und sollen die Muskulatur über Effekte auf die Darmmikroben unterstützen. Diese Studie fand jedoch keine konsistenten Belege dafür, dass ein höherer Verzehr fermentierter Milchprodukte bei älteren Erwachsenen in Irland mit einer besseren körperlichen Funktion zusammenhing.

Die Forschenden analysierten Daten aus zwei Bevölkerungskohorten: NICOLA mit 2.791 Teilnehmenden im Durchschnittsalter von 64 Jahren und TILDA mit 3.999 Teilnehmenden im Durchschnittsalter von 66 Jahren. Zusammen umfassten diese Gruppen 6.790 Erwachsene. Die Teilnehmenden gaben ihre Ernährung mithilfe von Fragebögen an, die für die jeweilige Kohorte spezifisch waren. Die Forschenden untersuchten Zusammenhänge zwischen dem Verzehr fermentierter Milchprodukte und Handgriffkraft, Gebrechlichkeit und funktionellen Einschränkungen und berücksichtigten dabei demografische und gesundheitliche Merkmale, die die Ergebnisse beeinflussen könnten.

In NICOLA schwächten sich die anfänglichen Zusammenhänge nach der Adjustierung ab, und es gab kein klares Muster, das einen höheren Verzehr mit besseren Ergebnissen verband. In TILDA hatte die Gruppe mit dem höchsten Verzehr im Vergleich zur Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr eine 2,71-fach höhere Chance auf eine geringe Handgriffkraft. Das Konfidenzintervall war breit und reichte von 1,12 bis 6,88. Analysen einzelner Lebensmittel deuteten darauf hin, dass Joghurt dieses Signal verursachte, das sich nach der Adjustierung abschwächte.

Diese Ergebnisse zeigen weder, dass fermentierte Milchprodukte den Muskeln schaden, noch belegen sie einen Nutzen für die Muskulatur. Sie legen nahe, dass Ernährungsmuster und andere Gesundheitsfaktoren scheinbare Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln und der körperlichen Funktion verkomplizieren können. Für Leserinnen und Leser lautet die praktische Schlussfolgerung: Joghurt oder andere fermentierte Milchprodukte sollten nicht als erwiesene eigenständige Strategie zum Erhalt der Kraft betrachtet werden.

Wichtige Einschränkungen bleiben bestehen. Ernährung und körperliche Funktion wurden im Querschnitt erhoben, sodass die Studie weder klären kann, was zuerst kam, noch Ursache und Wirkung belegen kann. Die Ernährungsfragebögen unterschieden sich zwischen den Kohorten und können den Verzehr falsch klassifizieren. Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract. Das Labor eines Autors gab eine Förderung durch die Industrie an, darunter Molkereiunternehmen. Studien, die Erwachsene über die Zeit begleiten, sowie randomisierte Studien sind erforderlich, um zu prüfen, ob fermentierte Milchprodukte die Funktion verbessern.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Across 6,790 adults in two Irish cohorts, fermented dairy intake showed no consistent association with better physical function after adjustment.
  • NICOLA showed no adjusted associations or dose-response relationships between fermented dairy intake and physical function.
  • TILDA's highest intake group had higher odds of low grip strength: OR 2.71, 95% CI 1.12–6.88.
  • The yogurt-related low-grip-strength association weakened after adjustment; it does not establish that yogurt causes muscle weakness.
  • Do not treat fermented dairy as a proven standalone strategy for preserving strength based on this study.

Methodik

Die Forschenden führten getrennte Querschnittsanalysen von NICOLA und TILDA durch und nutzten kohortenspezifische Food-Frequency-Fragebögen, um die Aufnahme fermentierter Milchprodukte zu schätzen. Mithilfe multivariabler linearer und logistischer Regressionen untersuchten sie Zusammenhänge mit Muskelkraft, Gebrechlichkeit und funktionellen Einschränkungen und berücksichtigten dabei demografische sowie gesundheitsbezogene Faktoren.

Studienlimitierungen

Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract; Querschnittsdaten können weder Kausalität noch die zeitliche Abfolge von Ernährungs- und Funktionsveränderungen belegen. Selbstberichtete Zufuhrmengen, unterschiedliche Ernährungsfragebögen, verbleibende Störfaktoren (Residual Confounding) und das breite Konfidenzintervall schränken die Interpretation ein. Das Labor eines der Autoren gab eine Förderung durch die Industrie an, darunter Molkereiunternehmen, und dieser Autor legte zudem weitere Beziehungen zur Industrie offen.

Hat dir diese Zusammenfassung gefallen?

Erhalte die neueste Longevity-Forschung jede Woche in deinen Posteingang.

E-Mail-Adresse zum Abonnieren eingeben: