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Wissenschaftler identifizieren ABHD18-Enzym als Schlüsselziel für die Behandlung des Barth-Syndroms

Ein neu identifiziertes Enzym im Cardiolipin-Stoffwechsel könnte die erste gezielte Therapie für das Barth-Syndrom erschließen – eine tödliche mitochondriale Herzerkrankung.

Donnerstag, 30. Juli 2026 3 Aufrufe
Veröffentlicht in Nature
A glowing inner mitochondrial membrane with phospholipid bilayer structures and electron transport chain complexes rendered in molecular detail.

Zusammenfassung

Forscher haben ABHD18 als kritisches Enzym im Cardiolipin (CL)-Biosyntheseweg und als vielversprechendes therapeutisches Ziel beim Barth-Syndrom identifiziert – einer seltenen, oft tödlichen Erbkrankheit, die die Mitochondrienfunktion und die Herzgesundheit beeinträchtigt. Cardiolipin stabilisiert die Elektronentransportkette in den Mitochondrien. Das Barth-Syndrom entsteht durch Mutationen in *TAFAZZIN* (*TAZ*), die zu einer toxischen Anhäufung von Monolyso-Cardiolipin (MLCL) führen. Durch die Hemmung von ABHD18, das MLCL aus neu synthetisiertem Cardiolipin erzeugt, konnten die Forscher mitochondriale Defekte in Zell- und Tiermodellen beheben. Entscheidend ist, dass ein selektiver niedermolekularer Inhibitor von ABHD18 auch Krankheitsphänotypen in patientenabgeleiteten Fibroblasten und Zebrafischembryonen umkehrte, was auf einen vielversprechenden Wirkstoffkandidaten hindeutet.

Detaillierte Zusammenfassung

Barth-Syndrom ist eine seltene X-chromosomal-rezessive Erbkrankheit, die durch Mutationen im TAFAZZIN (TAZ)-Gen verursacht wird und zu dysfunktionalem Cardiolipin-Remodeling, Akkumulation von Monolyso-Cardiolipin (MLCL) und schwerer mitochondrialer Dysfunktion führt. Es manifestiert sich vorwiegend als dilatative Kardiomyopathie, Skelettmuskelschwäche und frühzeitige Sterblichkeit; derzeit sind keine zugelassenen krankheitsmodifizierenden Therapien verfügbar.

Cardiolipin (CL) ist das charakteristische Phospholipid der inneren Mitochondrienmembran und für die Stabilisierung der Komplexe der Elektronentransportkette unentbehrlich. Die CL-Reifung umfasst den Austausch neu synthetisierter Acylketten gegen längere, ungesättigte – ein Remodeling-Schritt, der von TAFAZZIN abhängt. Trotz jahrzehntelanger Forschung war das Enzym, das die Abspaltung von nascenten CL zur Einleitung dieses Remodelings katalysiert, bislang unbekannt.

Mithilfe genetischer Suppressions-Screening-Strategien identifizierte das Forschungsteam ABHD18 als diese fehlende Deacylase. In biochemischen Assays wandelte ABHD18 reifes CL in vitro in MLCL um. Wurde ABHD18 in Zellen und Mausmodellen inaktiviert, akkumulierte nascentes CL in Geweben und Serum anstelle von MLCL – womit der durch TAZ-Verlust verursachte toxische Engpass effektiv umgangen wurde. Bemerkenswert ist, dass diese ABHD18-Inaktivierung sowohl die mitochondrialen Defekte in TAZ-mutierten Zellen rettete als auch Morbidität und Mortalität in einem Barth-Syndrom-Mausmodell verbesserte.

Das Team entwickelte zudem einen selektiven, kovalenten niedermolekularen Inhibitor von ABHD18, der TAZ-mutante Phänotypen in patientenabgeleiteten Fibroblasten und Zebrafischembryonen erfolgreich umkehrte und damit einen frühen Proof-of-Concept für einen pharmakologischen Ansatz lieferte.

Diese Erkenntnisse schließen eine grundlegende Wissenslücke im Verständnis der CL-Biosynthese und bieten gleichzeitig eine klare und unmittelbar umsetzbare therapeutische Strategie. Allerdings stützt sich die Studie auf Berichterstattung auf Abstract-Ebene, und Langzeitsicherheit, kardiale Spezifität sowie die humane Pharmakokinetik des ABHD18-Inhibitors müssen in zukünftigen Studien noch etabliert werden.

Wichtigste Erkenntnisse

  • ABHD18 identified as the long-sought deacylase that cleaves nascent cardiolipin, initiating CL remodeling.
  • ABHD18 inactivation shifts lipid profiles from toxic MLCL to nascent CL in cells and mice.
  • Genetic suppression of ABHD18 rescued mitochondrial dysfunction and improved survival in Barth syndrome mice.
  • A selective covalent ABHD18 small-molecule inhibitor reversed disease phenotypes in patient fibroblasts and zebrafish.
  • Study closes a decades-long gap in the cardiolipin biosynthesis pathway with direct drug development implications.

Methodik

Die Studie nutzte genetisches Suppressions-Screening zur Identifizierung von ABHD18, validiert durch biochemische In-vitro-Assays, zellbasierte Modelle und TAZ-Mutanten-Mausmodelle. Die therapeutische Übertragbarkeit wurde mithilfe eines kovalenten niedermolekularen ABHD18-Inhibitors in patientenabgeleiteten Fibroblasten und Zebrafischembryonen getestet.

Studienlimitierungen

Die vollständige Studie ist nicht frei zugänglich, sodass mechanistische Details und Sicherheitsdaten allein anhand des Abstracts nicht vollständig bewertet werden können. Langzeitefficacy, kardiale Spezifität und die Pharmakodynamik des ABHD18-Inhibitors beim Menschen wurden bislang nicht öffentlich berichtet. Das Barth-Syndrom ist äußerst selten, was das Design klinischer Studien und die Patientenrekrutierung erschweren kann.

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