Jeder Fünfte ältere Amerikaner ist weiterhin gefährlichen Medikamentenkombinationen ausgesetzt
Polypharmazie nimmt bei älteren Erwachsenen zu, und Muskelrelaxanzien entwickeln sich neben Antidepressiva zu einer neuen Gefahr für Arzneimittelwechselwirkungen.
Zusammenfassung
Eine landesweit repräsentative Studie erfasste die Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln bei Amerikanern im Alter von 62 bis 85 Jahren über zwei Zeiträume: 2015–2016 und 2021–2023. Obwohl der Anteil älterer Erwachsener mit potenziell schwerwiegenden Wechselwirkungen zwischen Medikamenten leicht zurückging, ist mehr als jeder Fünfte nach wie vor gefährlichen Kombinationen ausgesetzt. Polypharmazie – die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln – nahm deutlich zu. Antidepressiva sind nach wie vor der häufigste Auslöser schädlicher Wechselwirkungen, und die Verwendung von Muskelrelaxanzien in riskanten Kombinationen hat sich nahezu verdoppelt. Forscher fordern intelligentere Strategien zur Deprescription, die gezielt auf diese Hochrisiko-Arzneimittelkombinationen ausgerichtet sind, um Überdosierungstode und unerwünschte Ereignisse in alternden Bevölkerungsgruppen zu reduzieren.
Detaillierte Zusammenfassung
Polypharmazie – die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel – ist ein wachsendes Problem für ältere Amerikaner, und eine neue, landesweit repräsentative Studie, die im JAMA veröffentlicht wurde, liefert konkrete Zahlen dazu. Anhand von Daten des National Social Life, Health, and Aging Project verglichen Forscher der University of Southern California die Medikamentenmuster bei Erwachsenen im Alter von 62–85 Jahren zwischen 2015–2016 und 2021–2023.
Die Gesamtnutzung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln blieb über beide Zeiträume hinweg stabil: Rund 84 % der älteren Erwachsenen nahmen regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente ein, etwa 66 % nutzten regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Die Polypharmazie – definiert als die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln – stieg jedoch merklich an: Polypharmazie bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kletterte von 31 % auf knapp 36 %, und Polypharmazie bei Nahrungsergänzungsmitteln sprang von 12,6 % auf 16,7 %. Diese Veränderungen sind bedeutsam, da die Kombination von mehr Medikamenten das Risiko schädlicher Wechselwirkungen exponentiell erhöht.
Der Hauptbefund hat zwei Seiten. Der Anteil älterer Erwachsener mit potenziell schwerwiegenden Arzneimittelwechselwirkungen sank von 25,7 % auf 22,3 % – eine bescheidene, aber statistisch signifikante Verbesserung. Dieser Rückgang war maßgeblich auf eine reduzierte Verschreibung von Opioiden und Benzodiazepinen zurückzuführen. Dennoch blieben Antidepressiva die am häufigsten an gefährlichen Wechselwirkungen beteiligte Wirkstoffklasse, was Bedenken hinsichtlich des Serotoninsyndroms und kardialer Arrhythmien aufwirft.
Ein besonders alarmierender Trend war die beinahe Verdoppelung der wechselwirkungsbehafteten Therapieregime mit Muskelrelaxanzien, die von 1,35 % auf 2,49 % anstieg. Die Forscher bringen dies mit steigenden Raten unbeabsichtigter Überdosierungstode bei älteren Erwachsenen in Verbindung und fordern, dass klinische Leitlinien diese Wirkstoffklasse gezielt berücksichtigen.
Für gesundheitsbewusste ältere Erwachsene und ihre behandelnden Ärzte ist die praktische Botschaft eindeutig: Die regelmäßige Überprüfung von Medikamenten- und Nahrungsergänzungsmittelkombinationen – insbesondere von Antidepressiva und Muskelrelaxanzien – ist unerlässlich. Deprescribing-Initiativen sollten Vorrang haben, und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln muss in jede Wechselwirkungsprüfung einbezogen werden, da sie häufig übersehen wird. Einschränkungen ergeben sich aus dem Querschnittsdesign der Studie, das keine Kausalschlüsse erlaubt.
Wichtigste Erkenntnisse
- Polypharmacy (5+ drugs or supplements) rose significantly among adults 62–85 between 2015 and 2023.
- Over 1 in 5 older adults still have potentially major drug-drug interactions despite modest improvement.
- Muscle relaxant involvement in dangerous drug combinations nearly doubled, linked to overdose deaths.
- Antidepressants remain the most common drug class in harmful interactions, with cardiac and serotonin risks.
- Deprescribing guidelines should explicitly prioritize antidepressants and muscle relaxants in older populations.
Methodik
Dies ist ein Nachrichtenbericht, der eine querschnittliche Beobachtungsstudie zusammenfasst, die im JAMA veröffentlicht wurde, einer hochwürdigen, peer-reviewten Fachzeitschrift. Die Daten stammen aus dem National Social Life, Health, and Aging Project, einer national repräsentativen, bevölkerungsbasierten US-Kohorte. Die Stichprobengrößen waren erheblich: über 2.700 Teilnehmer in Welle 3 und über 2.100 in Welle 4.
Studienlimitierungen
Das Querschnittsdesign lässt keine kausalen Schlussfolgerungen darüber zu, was die Trends bei Wechselwirkungen oder Ergebnissen antreibt. Die Studie erfasst ausschließlich in der Gemeinschaft lebende Erwachsene, sodass Bewohner von Pflegeheimen oder betreuten Wohneinrichtungen – die häufig eine höhere Medikamentenlast aufweisen – nicht repräsentiert sind. Der Artikel ist eine Nachrichtenzusammenfassung und liefert keine vollständigen methodischen Details; Leser sollten die primäre JAMA-Publikation für vollständige Daten konsultieren.
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