Longevity & AgingPressemitteilung

Mikroplastik häufiger in den Atemwegen von Lungenkrebspatienten gefunden

Eine Studie mit 100 Bronchoskopie-Patienten ergab, dass Mikroplastikpartikel bei Lungenkrebspatienten doppelt so häufig nachgewiesen wurden – unabhängig von der Rauchgeschichte.

Montag, 7. September 2026 2 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: Microplastics Found More Often in Lung Cancer Patients' Airways

Zusammenfassung

Eine prospektive Beobachtungsstudie mit 100 Personen, die sich einer diagnostischen Bronchoskopie unterzogen, ergab, dass bei Lungenkrebspatienten signifikant häufiger Mikroplastikpartikel in den Atemwegen nachgewiesen wurden als bei Personen ohne Krebs – 66 % gegenüber 46 %. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Bereinigung um Rauchverhalten, Alter und Geschlecht bestehen, wobei Krebspatienten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für den Nachweis von Mikroplastik aufwiesen. Die Forscher betonen, dass dies keine Kausalität belegt: Erkrankte Lungen könnten Partikel schlicht anders zurückhalten als gesunde. Dennoch ergänzen die Ergebnisse eine wachsende Zahl von Belegen, die eingeatmete Mikroplastikpartikel mit schwerwiegenden Erkrankungen in Verbindung bringen, und geben Anlass zu weiteren Laboruntersuchungen darüber, wie diese Partikel mit Lungenzellen interagieren und ob sie Entzündungen oder andere krebsfördernde biologische Prozesse auslösen.

Detaillierte Zusammenfassung

Mikroplastik – winzige Plastikfragmente, die von Industrie- und Verbraucherprodukten abgegeben werden – ist mittlerweile in menschlichem Lungengewebe nachweisbar, und eine neue Studie deutet darauf hin, dass sich diese Partikel in größerer Anzahl bei Menschen ansammeln, bei denen Lungenkrebs diagnostiziert wurde. Die beim Kongress der European Respiratory Society in Barcelona vorgestellte Forschungsarbeit fügt einem aufkommenden und beunruhigenden Muster rund um die Exposition gegenüber Umweltplastik und menschlichen Erkrankungen einen bedeutsamen Datenpunkt hinzu.

In der prospektiven Beobachtungsstudie wurden 100 Patienten, die sich einer diagnostischen Bronchoskopie unterzogen, mittels bronchoalveolärer Lavage und Atemwegsgewebeanalyse untersucht. Mikroplastikpartikel wurden bei 66 % der Lungenkrebspatienten nachgewiesen, verglichen mit 46 % derjenigen ohne Malignom – ein statistisch signifikanter Unterschied. Krebspatienten wiesen zudem einen Median von einem Mikroplastikpartikel pro Lavageprobe auf, gegenüber annähernd null bei den Kontrollpersonen. Entscheidend ist, dass die Assoziation auch nach Adjustierung für Raucherstatus, Alter und Geschlecht signifikant blieb und eine Odds Ratio von 2,00 ergab.

Der federführende Forscher, Dr. Ilias Dimeas vom University College Dublin, betonte ausdrücklich, dass die Studie keine Kausalität nachweisen kann. Mikroplastik könnte zu Entzündungen beitragen oder zelluläre Prozesse auf eine Weise stören, die Krebs begünstigt – oder aber krebsartiges Lungengewebe fängt eingeatmete Partikel schlicht effizienter ein als gesundes Gewebe. Beide Hypothesen bleiben offen.

Externe Kommentatoren bekräftigten diese Zurückhaltung. Ria Devereux, PhD, von der University of East London hob mehrere nicht erfasste Variablen hervor: berufliche Expositionen, spezifischer Krebstyp und -stadium, frühere medizinische Eingriffe sowie die Frage, ob das Bronchoskopieinstrument selbst Plastikkontaminationen in die Proben eingebracht haben könnte.

Für gesundheitsbewusste Personen ist die praktische Schlussfolgerung eindeutig: Die Reduzierung der Mikroplastikaufnahme durch Inhalation und Ingestion ist eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme. Zu den derzeit empfohlenen Schritten zählen das Vermeiden des Verbrennens von Plastik, der Ersatz von Kochgeschirr aus Plastik sowie die Minimierung der Verwendung synthetischer Stoffe. Größere, mechanistisch ausgerichtete Studien sind dringend erforderlich, um zu klären, ob Mikroplastik ein echter veränderbarer Risikofaktor für Lungenkrebs ist.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Microplastics detected in 66% of lung cancer patients vs 46% of controls in bronchoscopy study.
  • Odds of microplastic detection were double in lung cancer patients after adjusting for smoking, age, and sex.
  • Median microplastic particle count per lavage sample was 1 in cancer patients versus ~0 in controls.
  • Causation is unproven — diseased lungs may retain particles differently, not microplastics causing cancer.
  • Practical exposure-reduction steps include avoiding plastic cookware, synthetic fabrics, and burning plastics.

Methodik

Dieser Bericht ist eine Tagungsberichterstattung von MedPage Today, die eine Posterpräsentation beim ERS-Kongress 2026 zusammenfasst. Die zugrunde liegende Arbeit ist eine prospektive Beobachtungsstudie mit 100 Patienten; die Stichprobengröße ist klein, und das Studiendesign schließt kausale Schlussfolgerungen aus. Ein Kommentar eines unabhängigen Wissenschaftlers wurde einbezogen, der eine angemessene wissenschaftliche Ausgewogenheit herstellt.

Studienlimitierungen

Die Studie umfasste lediglich 100 Teilnehmer und verwendete ein Beobachtungsdesign, was kausale Schlussfolgerungen ausschließt. Wesentliche Störvariablen wie Berufsexposition, Luftverschmutzung und das spezifische Krebsstadium wurden nicht vollständig berücksichtigt, und eine Probenkontamination durch das Bronchoskop selbst kann nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse wurden auf einer Konferenz präsentiert und sind möglicherweise noch nicht vollständig begutachtet worden; die Primärpublikation sollte konsultiert werden, bevor endgültige Schlussfolgerungen gezogen werden.

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