Langzeitanwendung von Melatonin mit 90 % höherem Herzinsuffizienzrisiko in neuer Studie verbunden
Eine große Vorstudie zeigt, dass Patienten mit chronischer Insomnie, die über ein Jahr lang Melatonin einnahmen, innerhalb von fünf Jahren ein um 90 % erhöhtes Herzinsuffizienzrisiko aufwiesen.
Zusammenfassung
Eine große Beobachtungsstudie hat langfristige Melatonin-Einnahme mit einem deutlich erhöhten Herzinsuffizienz-Risiko bei Erwachsenen mit chronischer Schlaflosigkeit in Verbindung gebracht. Forscher, die das TriNetX Global Research Network nutzten, analysierten fünf Jahre elektronischer Gesundheitsakten und verglichen Melatonin-Anwender (mindestens ein Jahr dokumentierte Einnahme) mit Nicht-Anwendern, die ebenfalls an Schlaflosigkeit litten. Langzeitanwender hatten ein etwa 90 % höheres Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, deswegen ins Krankenhaus eingewiesen zu werden oder aus irgendeinem Grund zu sterben. Die Ergebnisse belegen nicht, dass Melatonin Herzprobleme verursacht, stellen jedoch die weit verbreitete Annahme in Frage, dass dieses Hormon-Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich sicher ist. Millionen von Menschen nehmen regelmäßig Melatonin ein, oft ohne ärztliche Begleitung – was diese Ergebnisse besonders relevant für gesundheitsbewusste Erwachsene macht, die ihre Schlaf- und Langlebigkeitsziele im Blick haben.
Detaillierte Zusammenfassung
Melatonin ist eines der weltweit beliebtesten Schlaf-Nahrungsergänzungsmittel und gilt weithin als natürliche und risikoarme Option bei Schlaflosigkeit und Störungen des zirkadianen Rhythmus. Eine neue Vorabstudie, die auf den Scientific Sessions 2025 der American Heart Association vorgestellt wurde, stellt diese Annahme nun in Frage – insbesondere für Menschen, die es über längere Zeiträume anwenden.
Die Forscher stützten sich auf das TriNetX Global Research Network, eine große internationale Datenbank mit anonymisierten elektronischen Gesundheitsakten. Sie identifizierten Erwachsene mit der Diagnose chronische Schlaflosigkeit und einem dokumentierten Melatonin-Konsum von mindestens einem Jahr und verglichen diese mit Schlaflosigkeitspatienten ohne Melatonin-Eintrag. Personen mit einer früheren Herzinsuffizienz-Diagnose oder verschriebenen anderen Schlafmedikamenten wurden ausgeschlossen, um Störvariablen zu reduzieren.
Über einen Nachbeobachtungszeitraum von fünf Jahren zeigten Langzeit-Melatonin-Anwender ein rund 90 % höheres Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingewiesen zu werden und aus jedweder Ursache zu sterben, verglichen mit gematchten Nicht-Anwendern. Die Stärke dieses Zusammenhangs ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie selbstverständlich Melatonin-Konsum in allen Altersgruppen geworden ist.
Wichtig ist: Es handelt sich um Beobachtungs- und Vorabdaten – sie können keine Kausalität belegen. Verbleibende Störvariablen bleiben ein ernstes Problem: Menschen, die langfristig Schlafmittel suchen, weisen möglicherweise bereits einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand auf. Melatonin erfüllt zudem Funktionen jenseits des Schlafs und beeinflusst Signalwege im Bereich oxidativer Stress, Entzündung und kardialer Remodellierung, sodass ein biologischer Mechanismus plausibel, aber unbestätigt ist. Die unregulierte Natur von Nahrungsergänzungsmitteln in den USA bedeutet außerdem, dass Dosis und Reinheit je nach Marke stark variieren.
Für auf Langlebigkeit ausgerichtete Personen verdienen diese Erkenntnisse Aufmerksamkeit. Schlafoptimierung ist eine zentrale Säule der gesunden Lebensspanne, doch die dafür eingesetzten Mittel könnten unterschätzte Langzeitrisiken bergen. Sowohl Kliniker als auch Patienten sollten diese Belege sorgfältig abwägen und die Replikation in prospektiven, kontrollierten Studien abwarten, bevor sie endgültige Schlussfolgerungen ziehen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Long-term melatonin users with chronic insomnia faced ~90% higher heart failure risk over five years compared to non-users.
- The association also included higher rates of heart failure hospitalization and all-cause mortality.
- Findings are observational and do not prove melatonin causes heart failure; confounding is a key concern.
- Study used TriNetX Global Research Network, excluding anyone with prior heart failure or other sleep medications.
- Melatonin's unregulated supplement status means dose and purity vary significantly across products.
Methodik
Dies ist eine Nachrichtenzusammenfassung einer vorläufigen Beobachtungsstudie, die auf den AHA Scientific Sessions 2025 vorgestellt wurde und noch nicht peer-reviewed ist. Die Erkenntnisse basieren auf einer retrospektiven Analyse elektronischer Patientenakten aus dem TriNetX Global Research Network mit propensity-gematchten Kohorten. Da es sich um eine Konferenzpräsentation handelt, sind vollständige Methodik und statistische Details noch nicht öffentlich verfügbar und können nicht unabhängig überprüft werden.
Studienlimitierungen
Die Studie ist vorläufig, beobachtend und wurde noch nicht peer-reviewed, sodass keine Kausalschlüsse gezogen werden können. Ein Restkonfounder ist wahrscheinlich, da Langzeit-Melatonin-Anwender möglicherweise schwerere oder komplexere Erkrankungen haben, die sowohl die Nutzung des Nahrungsergänzungsmittels als auch das Herzrisiko begünstigen. Dosis, Formulierung und Markenkonsistenz sind unkontrollierte Variablen angesichts des unregulierten Marktes für Nahrungsergänzungsmittel.
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