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Laktatansammlung treibt therapieresistente Schizophrenie voran und könnte reversibel sein

Eine proteomische Studie zeigt, dass metabolische Dysfunktion in extrazellulären Vesikeln Antipsychotika-Resistenz vorhersagt – Laktat rückt als therapeutisches Ziel in den Fokus.

Donnerstag, 23. Juli 2026 2 Aufrufe
Veröffentlicht in Brain Behav Immun
A researcher in a white lab coat examining vials of plasma samples on a rack, with a brain MRI scan visible on a monitor in the background, in a modern hospital research laboratory

Zusammenfassung

Etwa 30 % der Schizophrenie-Patienten sprechen nicht auf herkömmliche Antipsychotika an – ein Zustand, der als behandlungsresistente Schizophrenie (TRS) bezeichnet wird. Forscher analysierten Proteine in winzigen Partikeln, sogenannten extrazellulären Vesikeln, die im Blut von TRS-Patienten, nicht-resistenten Patienten und gesunden Kontrollpersonen zirkulieren. TRS-Patienten zeigten eine metabolische Verschiebung hin zu übermäßiger Laktatproduktion, verminderte antioxidative Proteine sowie erhöhte glykolytische Enzyme. Diese Vesikel lösten bei Mäusen schizophrenieähnliche Verhaltensweisen aus und schädigten Gehirnzellen in Laborversuchen. Entscheidend ist, dass die Blockierung der Laktatproduktion mit einem Wirkstoff namens Dichloracetat diese schädlichen Effekte bei Mäusen umkehrte. Erhöhte Plasma-Laktatwerte und ein vermindertes antioxidatives Protein PRDX2 korrelierten zudem mit dem Schweregrad der Symptome, was darauf hindeutet, dass diese Stoffwechselmarker die Diagnose und Behandlung der am schwersten therapierbaren Schizophrenie-Fälle leiten könnten.

Detaillierte Zusammenfassung

Therapieresistente Schizophrenie (TRS) betrifft etwa 30 % der Schizophrenie-Patienten und stellt eines der drängendsten ungelösten Probleme der Psychiatrie dar. Zu verstehen, warum manche Patienten nicht auf Standardantipsychotika ansprechen, ist entscheidend für die Entwicklung besserer Therapien – und diese Studie bietet eine neuartige metabolische Erklärung.

Forscher der Zhejiang University und kooperierender chinesischer Institutionen führten eine vergleichende Proteomanalyse von aus Plasma gewonnenen extrazellulären Vesikeln (EVs) durch, die von 29 TRS-Patienten, 29 Nicht-TRS-Patienten (NTRS) und 31 gesunden Kontrollpersonen entnommen wurden. EVs sind nanoskopische Partikel, die von Zellen abgegeben werden und Proteine sowie andere biologische Fracht transportieren – sie bieten einen Einblick in die Krankheitsbiologie, ohne dass eine direkte Gewebebiopsie erforderlich ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse zeigten, dass TRS-abgeleitete EVs bei Mäusen schizophrenieähnliche Verhaltensweisen auslösten – darunter beeinträchtigte Präpuls-Inhibition und reduzierte soziale Interaktion – und zwar ausgeprägter als NTRS-abgeleitete EVs. In der Zellkultur lösten TRS-EVs gleichzeitige Proliferation und Apoptose in Astrozyten aus und verursachten stärkere dendritische Anomalien in Neuronen. Das Proteom-Profiling offenbarte eine auffällige metabolische Signatur bei TRS: verringerte Sauerstofftransport- und Antioxidans-Proteine (insbesondere HBG1, HBB und PRDX2) neben erhöhten glykolytischen Enzymen (LDHA, PKM), die zusammen auf eine Verschiebung hin zum anaeroben Stoffwechsel und eine übermäßige Laktatproduktion hinweisen. TRS-Patienten wiesen messbar höhere Plasma-Laktat-Werte und eine niedrigere PRDX2-Expression auf, die beide mit dem klinischen Schweregrad korrelierten.

Am therapeutisch bedeutsamsten: Die pharmakologische Hemmung der Laktatproduktion mittels Dichloracetat (DCA) machte sowohl die Verhaltensdefizite bei Mäusen als auch die neuronalen Schäden in vitro rückgängig und stellte damit einen kausalen Zusammenhang zwischen metabolischer Dysregulation und TRS-Pathologie her.

Diese Erkenntnisse positionieren den Laktatstoffwechsel und oxidativen Stress als handlungsrelevante Ziele bei TRS. DCA, das klinisch bereits bei kongenitaler Laktatazidose eingesetzt wird, könnte neu eingesetzt werden. Die Studie ist jedoch klein, umfasst ausschließlich chinesische klinische Populationen, und der nur abstrakt verfügbare Zugang schränkt eine vollständige methodische Beurteilung ein.

Wichtigste Erkenntnisse

  • TRS patients show elevated plasma lactate and reduced antioxidant PRDX2, both correlating with symptom severity.
  • TRS-derived extracellular vesicles caused schizophrenia-like behaviors in mice and neuronal damage in cell culture.
  • A metabolic shift toward anaerobic glycolysis — elevated LDHA and PKM enzymes — characterizes TRS at the protein level.
  • Blocking lactate production with dichloroacetate (DCA) reversed behavioral and neuronal deficits in mouse models.
  • Healthy control EVs actually ameliorated schizophrenia-like symptoms in a mouse model, suggesting protective circulating factors.

Methodik

Die Studie verwendete vergleichendes proteomisches Profiling von plasmaderivaten extrazellulären Vesikeln von 89 Teilnehmern (29 TRS, 29 NTRS, 31 gesunde Kontrollpersonen). Die funktionelle Validierung umfasste Verhaltenstests in MK-801-induzierten Mausmodellen sowie In-vitro-Kulturen von Astrozyten und Neuronen, die patientenderivaten EVs ausgesetzt wurden. DCA wurde pharmakologisch eingesetzt, um die kausale Rolle der Laktatdysregulation zu untersuchen.

Studienlimitierungen

Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract, da der vollständige Artikel nicht im Open Access verfügbar ist. Die Stichprobengröße ist klein (n=89 insgesamt), und die Ergebnisse lassen sich möglicherweise nicht auf andere Bevölkerungsgruppen als chinesische klinische Populationen übertragen. Kausale Mechanismen, die aus Tier- und In-vitro-Modellen abgeleitet wurden, müssen in klinischen Humanstudien bestätigt werden, bevor DCA therapeutisch empfohlen werden kann.

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