Longevity & AgingPressemitteilung

AMD-Medikamente mit ungeklärter Verdickung der Netzhautnerven in Verbindung gebracht – Sicherheitsfragen aufgeworfen

Komplementinhibitoren gegen trockene AMD verursachen eine fortschreitende Verdickung der retinalen Nervenfasern – ob dies jedoch auf eine Schädigung oder einen Schutzeffekt hindeutet, bleibt bislang ungeklärt.

Mittwoch, 22. Juli 2026 4 Aufrufe
Veröffentlicht in MedPage Today
Article visualization: AMD Drugs Linked to Unexplained Retinal Nerve Thickening Raising Safety Questions

Zusammenfassung

Zwei von der FDA zugelassene Medikamente gegen trockene altersbedingte Makuladegeneration – Pegcetacoplan und Avacincaptad pegol – werden beide mit einer fortschreitenden Verdickung der retinalen Nervenfaserschicht in Verbindung gebracht. Die auf dem Jahrestreffen der American Society of Retina Specialists vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die RNFL-Dicke bei behandelten Patienten um etwa 4–6 Mikrometer pro Jahr zunimmt, während unbehandelte AMD und Standard-Anti-VEGF-Injektionen mit einer Ausdünnung assoziiert sind. Besonders beunruhigend für die Forschenden ist, dass die Verdickung keinen Plateauwert erreicht. Ob dies einen neuroprotektiven Effekt darstellt, auf eine Flüssigkeitsansammlung zurückzuführen ist oder durch eine zelluläre Infiltration infolge der Polyethylenglykol-(PEG-)Komponenten der Medikamente verursacht wird, ist bislang ungeklärt. Kliniker werden dazu angehalten, die retinale Nervenfaserschicht und den Sehnerv bei Patienten unter diesen Therapien zu überwachen; konkrete Handlungsempfehlungen bleiben jedoch bis zur weiteren Untersuchung begrenzt.

Detaillierte Zusammenfassung

Altersbedingte Makuladegeneration ist die häufigste Ursache für Sehverlust bei älteren Erwachsenen, und geografische Atrophie – ihre fortgeschrittene Trockenform – hat erst kürzlich FDA-zugelassene Behandlungen erhalten. Eine neue Studie, die auf der Jahrestagung der American Society of Retina Specialists vorgestellt wurde, wirft nun eine wichtige und bislang unbeantwortete Sicherheitsfrage zu diesen Behandlungen auf.

Beide zugelassenen Komplementinhibitoren – Pegcetacoplan (Syfovre) und Avacincaptad pegol (Izervay) – wurden mit einer fortschreitenden Verdickung der retinalen Nervenfaserschicht in Verbindung gebracht. Patienten, die Pegcetacoplan erhielten, zeigten jährliche RNFL-Zunahmen von 4,37 Mikrometern, während bei Patienten unter Avacincaptad pegol Zunahmen von 5,72 Mikrometern festgestellt wurden. Im Gegensatz dazu waren unbehandelte geografische Atrophie und Anti-VEGF-Injektionen mit einer RNFL-Ausdünnung verbunden, was den bekannten Mustern der Neurodegeneration entspricht.

Die Verdickung war im ersten Behandlungsjahr am stärksten ausgeprägt, setzte sich jedoch – ohne einen Plateaueffekt zu erreichen – auch darüber hinaus fort. Der leitende Forscher David Brown, MD, betonte, dass diese kontinuierliche Zunahme besonders besorgniserregend sei, da eine echte Neuroprotektion erwartungsgemäß die Nervenfaserschichtdicke stabilisieren und nicht unbegrenzt erhöhen würde. Er stellte die Hypothese auf, dass Polyethylenglykol-Komponenten (PEG) in beiden Medikamenten eine Makrophagen-Vakuolisierung auslösen könnten, wobei präklinische Daten zeigen, dass PEG-Material von der Netzhaut in das Gehirn gelangt.

Entscheidend ist, dass die Dicke der retinalen Nervenfaserschicht in den ursprünglichen klinischen Studien für keines der beiden Medikamente überwacht wurde, was eine erhebliche Evidenzlücke hinterlässt. Es bleibt unklar, ob die Verdickung die Sehergebnisse beeinträchtigt oder zum Stress des Sehnervs beiträgt. Diese Ergebnisse werfen parallel dazu Fragen zu anderen intravitrealen Injektionen auf und ob das Injektionsvolumen selbst Schaden verursachen könnte.

Für Kliniker und Patienten lautet die praktische Schlussfolgerung: vorsichtige Überwachung – die Kontrolle von RNFL und Sehnervgesundheit bei allen Personen, die eine Komplementinhibitor-Therapie erhalten, ist nun ratsam. Die laufende Entwicklung nicht-PEGylierter Komplementinhibitoren wie ANX007 könnte dazu beitragen, zu klären, ob die PEGylierung selbst der treibende Faktor ist. Es sind noch weitaus mehr Daten erforderlich, bevor endgültige Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Both FDA-approved dry AMD drugs linked to annual retinal nerve fiber layer thickening of 4–6 micrometers.
  • RNFL thickening never plateaued during treatment — raising concerns about long-term ocular nerve safety.
  • Untreated dry AMD and anti-VEGF injections cause RNFL thinning, making the drug-linked thickening anomalous.
  • PEG components may trigger macrophage vacuolization; preclinical data showed material traveling retina to brain.
  • RNFL thickness was not monitored in original clinical trials, leaving a critical safety surveillance gap.

Methodik

Dies ist ein Konferenzbericht über ein Late-Breaking Abstract, das auf der Jahrestagung der American Society of Retina Specialists 2026 präsentiert wurde. Bei der Studie handelt es sich offenbar um eine retrospektive oder beobachtende Analyse, die RNFL-Veränderungen zwischen Behandlungsgruppen vergleicht; vollständige Methodik, Stichprobengrößen und der Status einer begutachteten Veröffentlichung sind noch nicht verfügbar.

Studienlimitierungen

Vollständige Studiendaten, Stichprobengrößen und Peer-Review liegen noch nicht vor, da es sich um die Präsentation eines Konferenzabstracts handelte. Kausalität ist nicht belegt, und die klinische Bedeutung der RNFL-Verdickung – ob schädlich, neutral oder schützend – bleibt ungeklärt. Leser sollten die Veröffentlichung der vollständigen Studie und eine unabhängige Replikation abwarten, bevor sie endgültige Schlussfolgerungen ziehen.

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